Trekking für Fotoenthusiasten

Als selbsternannter Fotograf mit Outdoorambitionen muss man sich schon sehr mit leidigen Themen herumschlagen. Eines dieser Themen ist, wie bringe ich meine Kamera – mit optimalerweise allem Zubehör – sicher im Rucksack unter. Dabei muss man sich dann – zu allem Überfluss – auch noch überlegen, ob man eine Tagestour plant (ich zähle jetzt mal ein Wochenende dazu) oder ob man einen etwas größeren Trip ins Auge gefasst hat. Wie so oft im Leben hat man hier wieder die Qual der Wahl. Entweder man macht es sich einfach und trabt, bepackt wie ein Packesel, mit mehreren Taschen behangen durch die Walachei, man improvisiert mit kleinen Fototaschen im großen Backpack oder man versucht sich an stylischen Hermaphroditen der Fotorucksackzunft. Auch wenn ich zu der zweiten Kategorie zähle (in Island hat sich das Tasche-in-Tasche-Konzept bewährt), so gebe ich zu, dass auch ich dem Reiz des Ausprobierens erlegen bin. Darum geht es in diesem Beitrag. Ich habe drei Rucksäcke begutachtet. Meine Meinungen dazu findet ihr weiter unten. Ich muss dazu sagen, dass ich die Rückenknechte nicht im Outdoor-Einsatz getestet habe und mich somit lediglich auf meinen subjektiven Eindruck beschränke.

Lowepro Rover Pro 45L AW
Ganz am Anfang der Planung für unseren Island Trip stand auch die Entscheidung für einen geeigneten Rucksack. Der Lowepro gefiel mir sofort, als ich ihn im Netz sah. Ich bestellte ihn bei amazon und schon am kommenden Tag konnte er begutachtet werden. Der erste Eindruck nach dem Auspacken konnte schon überzeugen. Hier sah man, dass Lowepro seine Hausaufgaben gemacht hatte und von der Zusammenarbeit mit Rucksackspezialist Lowe Alpine profitierte. Jede Menge Taschen, die Stauraum versprachen, jede Menge Kompresionsgurte, mit denen man den Rucksack fixieren konnte, ein gut durchdachtes und gut gepolstertes Tragessystem, breite Hüftgurte mit kleinen Taschen für Handy und Co. Das Material fühlte sich wertig und robust an, die Rückenauflage war aus Meshgewebe gefertigt, was eine gute Luftzirkulation versprach. Im Innenraum gab es, für meine damaligen Verhältnisse, genügend Platz für Outdoorequipment. Im unteren Bereich befanden sich zwei separate, gut gepolsterte Taschen für die Aufnahme von Kamera, nebst Objektiven und diversem Zubehör. Sehr schön gelöst war, dass man durch einen Fronteingriff direkt auf das Equipment zugreifen konnte. An den Seiten ließen sich bequem ein Stativ und Trekkingstöcke befestigen. Ein Regencover rundete den ohnehin schon tollen Gesamteindruck ab. Die Kamerataschen ließen sich zudem entfernen, so dass der Rucksack auch als vollwertiger 45 Liter Trekkingrucksack verwendet werden konnte.
Die Entscheidung fiel letztendlich doch gegen diesen sehr schönen Rucksack aus. Jedoch lediglich, weil er für den geplanten Einsatzzweck zu klein war. (Im Endeffekt schleppte ich einen 95 Liter Rucksack durch die Gegend) Der Rover wäre auch heute noch meine erste Wahl für den Daypackeinsatz mit Kamera. Ausstattung, Verarbeitung und Design haben mich einfach überzeugt. Schade nur, dass der Lowepro derzeit nur für horrende Preise zu haben ist.
http://www.lowepro.com/rover-pro-aw

mantona Elements Kamerarucksack mit Fototasche
Kürzlich wieder auf der Suche nach einem schönen Daypack nebst Kamerastauraum stieß ich, nachdem ich beim Preis für den zuvor genannten Lowepro aus allen Wolken gefallen war, auf diesen Rucksack von mantona. Da wir in Island mit einer Fototasche von mantona gute Erfahrungen gemacht hatten, was Qualität und Verarbeitung angingen, fiel die Entscheidung nicht schwer. Wieder musste amazon herhalten und am kommenden Tag wurde das Säckchen geliefert. Ich wähle bewusst dieses Wort, weil viel mehr ist dieser Rucksack nicht. Die Idee, mit der separaten Kameratasche, auf die man von der Seite aus unten zugreifen kann und die sich separat verwenden lässt, ist grundsätzlich nicht schlecht. Die kleine Tasche soll – laut Hersteller – eine Kamera mit zwei Objektiven und Zubehör aufnehmen. Meines Empfindens nach, hätte nur meine Kamera mit aufgesetzem Objektiv hinein gepasst. Der Stauraum des Rucksacks (mit eingesetzter Kameratasche) ist recht ernüchternd. Hier war gefühlt nur Platz für eine Jacke und etwas Kleinkram. Nicht wirklich ausreichend für einen Tagesausflug, geschweige denn Mehrtagestouren. Zwar lässt sich die Kameratasche heraus nehmen, wodurch das Innenfach des Rucksacks mehr Stauraum bietet, jedoch würde dies das Konzept völlig ad-absurdum führen. Die Verarbeitung des Rucksacks ist gut gelungen und macht einen hochwertigen Eindruck. So bin ich das von mantona gewohnt. Einzig die Hüftpolster sind sehr knapp bemessen und schlichtweg einfach nur zu kurz. Die Gurte lassen sich nur schwer fixieren. An dieser Umsetzung sollte mantona noch nachbessern. Für mich war dieser Rucksack gänzlich ungeeignet und ging somit zurück.
http://www.mantona.de/produkte/fotorucksaecke/mantona-elements-outdoor-rucksack-und-kameratasche/

mantona ElementsPro 40 Orange
Der zweite Rucksack im mantona-Bunde ist der ElementsPro 40.
Optisch gesehen ein kleines Highlight. Mit seinen orangefarbenen Applikationen und der großflächigen Abdeckung. Diese schützt die Rückseite des Rucksacks vor Witterungseinflüssen. Rein äußerlich sieht der Kamerarucksack größer aus, als das zuvor erwähnte Modell. Das Konzept deponiert die Kameraausrüstung zwischen dem oberen und dem unteren Stauraum. Das suggeriert zunächst den größtmöglichen Schutz der Ausrüstung, da oben und unten polsternde Kleidung oder Ähnliches eingepackt werden kann. Öffnet man das Kamerafach (man muss zunächst die orange Abdeckung nach oben klappen), so fällt einem der üppige Stauraum für das Equipment auf. Die Raumunterteilung ist mittels heller Trenner vorgenommen, was sehr übersichtlich wirkt. Die Inlays waren bei meinem Rucksack sehr gestaucht und somit verformt. Das machte keinen sonderlich guten Eindruck. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass dies bei allen Lieferungen so ist. Rein vom Platzangebot her passen in den Kamerateil eine Kamera mit aufgesetzem Objektiv und mehrere Objektive plus Zubehör. Durchaus positiv. Kommen wir zum Stauraum. Der ist leider nicht so groß, wie erhofft. Der obere Bereich bietet nicht wesentlich mehr, als der des zuvor beschriebenen Elements Rucksacks. Auch im unteren Bereich ist nicht sonderlich viel Platz. Auch wenn der Rucksack diverse Taschen und noch ein Notebookfach bietet, so ist auch dieser für meine Zwecke völlig ungeeignet, mangels Stauraum für notwendiges Outdoorequipment. Zudem erwecken auch Tragesystem und Hüftgurt nicht gerade den Eindruck, dass man den Rucksack auf längeren Touren angenehm tragen kann. Zumal das zu transportierende Equipment ein recht beachtliches Gewicht auf die Waage bringen kann. Zumindest die Verarbeitung ist wieder auf sehr hohem Niveau.
http://www.mantona.de/produkte/fotorucksaecke/mantona-kamerarucksack-elementspro-40-orange/

Und wie weiter?
Nun, da es den Lowepro nur zu extrem hohen Preisen gibt und die mantona Modelle meinen Ansprüchen nicht genügen, ist die eierlegende Wollmichsau in weiter Ferne. Natürlich werde ich weiter testen und vielleicht ist auch der Lowepro eines Tages wieder in erschwinglicher Reichweite. Ich werde diesen Beitrag natürlich um jedes getestete Modell erweitern. Bis dahin dient ein Lowe Alpine Mountain Attack 45:55 als Daypack und auch hier wird das bewährte Tasche-in-Tasche-Konzept zum Einsatz kommen. Und natürlich kann es sein, dass auch die mantona Modelle dem Einen oder Anderen von euch völlig genügen. Solltet ihr einen Rucksack empfehlen können, so freue ich mich über eine Nachricht.